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RAF-Zeitzeuge an FLS: Kein Unfall - ein Anschlag

 

Dann hieß es im Polizeifunk: Kein Unfall – es war ein Anschlag
Ehemaliger Karlsruher Polizist und RAF-Zeitzeuge berichtet an der Friedrich-List-Schule Karlsruhe

Die Abiturienten der JS2a und JS2b hatten am Mittwoch, 16.05.2018, ganz besonderen Besuch im Geschichtsunterricht. Ninas Opa Horst Born. Doch Horst Born ist nicht nur Ninas Opa, er war von 1968 bis 2011 Polizist, also inmitten der RAF-Zeit tätig. Von dieser bewegten Zeit berichtete er den Schülern.

Die Schülerin Nina referierte über die gesellschaftliche Entwicklung in den 60er Jahren sowie die Entstehung der RAF. Horst Born ergänzte die von seiner Enkelin vorgetragenen Fakten immer wieder durch eigene Erfahrungen. Er schilderte, wie er als Polizeischüler mit der staatlichen Autorität in Form seiner Ausbilder haderte, wie er bei Polizeieinsätzen im Rahmen von Studentendemonstrationen mehr Verständnis für die Anliegen der Studenten als die des autoritären Staates hatte. Born berichtete auch vom Attentat auf Siegfried Buback. Diesen kannte er persönlich, da er einer der Personenschützer des damaligen Generalbundesanwalts war. An den Funkspruch am Tag des Buback-Attentats 1977 kann er sich noch genau erinnern. Nachdem über Polizeifunk zunächst ein Verkehrsunfall in der Linkenheimer Landstraße, Nähe Botanischer Garten, gemeldet wurde, funkten die Kollegen kurz darauf: Es war kein Unfall, es war ein Attentat. Bewegt beschrieb er den Tatort und war noch immer fassungslos darüber, wozu Menschen fähig seien. Sympathie für die RAF sei nicht nachvollziehbar, sagte er.

Sehr präsent war Born auch der Einsatz bei der Durchsuchung des Elternhauses von Terroristin Adelheid Schulz in Karlsruhe. Nach dem Hinweis einer Nachbarin, Schulz hielte sich dort auf, stellte Born ein Team für die Durchsuchung zusammen und führte diese durch. Erleichtert stellten er und seine Kollegen fest, dass Schulz nicht anwesend war. So waren sie einem sonst garantierten Schusswechsel entkommen. Heute übernähmen solche Einsätze speziell geschulte Kräfte, sagte Born. Auch das ständige Tragen von Schutzwesten und Waffen sei zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn undenkbar gewesen. Erst durch die Gefahren der RAF seien diese Maßnahmen notwendig geworden.

 

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