FLS mit Abstand nah dran

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FLS mit Abstand nah dran

Die Schlagworte des zweiten Halbjahres 2019/20 lauten Corona, Fernlernunterricht, anderthalb Meter, Wegekonzept, Händewaschen, Abstand, Teams, digital, alternativ. Ein kleiner Einblick in den FLS-Corona-Alltag …

Am Montag, dem 16. März 2020, sahen sich Schüler und Lehrer für lange Zeit zum letzten Mal und nutzten diesen Tag für die Organisation des Fernlernunterrichts, der nach der Bekanntgabe der baden-württembergischen Landesregierung am Freitag, 13. März, coronabedingt für die nächsten Wochen durchzuführen sei. E-Mailverteiler wurden erstellt, Arbeitsmaterialien verteilt und Absprachen zum Fernlernunterricht und alternativen Leistungsfeststellungen getroffen. Für viele Schüler der Kaufmännischen Berufsschule mussten auch diese Absprachen schon digital erfolgen, da die Berufsschüler nicht jeden Tag in der Schule sind. Mit mehr Abstand als sonst verabschiedete man sich und blickte in eine nicht wie üblich recht verlässlich planbare Zukunft. Besonders für die Prüfungsklassen waren die so klar vor ihnen liegenden Wochen des Lernens und Prüfungschreibens plötzlich ungewiss.

Der Unterricht ging weiter. Lehrer und Schüler probierten Alternativen aus. Per E-Mail, Moodle, Teams und ähnlichen digitalen Unterstützungstools, die der ungewöhnlichen Nutzungslast anfangs nicht immer standhielten, wurde kommuniziert. Häufig wurden Unterrichte für das vollständig eigenständige Erarbeiten angepasst, Erklärpräsentationen und -videos erstellt, eingereichte Schüleraufgaben wurden kontrolliert und säumige Schüler fürsorglich erinnert. Sogar das Börsenplanspiel der Volksbank Karlsruhe begann am 20. April in der Eingangsstufe und in der Jahrgangsstufe 1 fast wie geplant. Andere Pläne mussten jedoch aufgegeben werden. So wurden alle anstehenden Schulveranstaltungen wie Expertentag, Praktikumswoche, Betriebsbesichtigungen, Abiball, das jährliche Sommerfest, Klassenfahrten und andere Ausflüge abgesagt. Für einige wichtige Ereignisse des Schullebens wird nun nach digitalen Alternativen gesucht. Die Klassenfahrten wurden storniert und bereits geleistete Zahlungen werden den Schülern erstattet.

Als nach den Osterferien klar wurde, dass der Fernlernunterricht nicht nur eine kurze Episode war, wurde auch über die Schule für jeden Schüler ein Teamszugang eingerichtet und der Unterricht per Teamssitzung setzte sich in vielen Fächern durch. So waren sich Schüler und Lehrer trotz Abstand wieder etwas näher und direktes Feedback von Schüler- und Lehrerseite im Teams-Unterricht möglich. Waren einige Schüler in der vorherigen Phase des eigenständigen Erarbeitens nicht erreichbar, blühten sie durch den Teams-Unterricht wieder auf, nahmen regelmäßig teil und zeigten verborgene Qualitäten. Es ist erstaunlich, wie schnell und in den meisten Fällen auch wie gut der digitale Unterricht umgesetzt und angenommen wurde. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass nicht alle Schüler mit der notwendigen Technik ausgestattet sind. Umso bemerkenswerter, dass sie den digitalen Unterricht mit dem Handy bewerkstelligen. Auch die Lernatmosphäre ist nicht bei allen Schülern optimal. Häufig müssen jüngere Geschwister betreut werden, die sich auch mal in den Teamssitzungen zu Wort melden und für allgemeine Erheiterung sorgen. Bei manchen Lehrern ist das ähnlich. Da können die Schüler in den Teams-Sitzungen den HomeSchooling-Pausen oder dem Online-Klavierunterricht der Lehrerkinder folgen. Besondere Zeiten, die trotz Abstand auch etwas mehr Nähe erlauben.

Seit dem 4. Mai wird für die Abiturienten und Prüfungsklassen der Kaufmännischen Berufsschule wieder Präsenzunterricht in der FLS ermöglicht. Doch dieser Unterricht findet unter sehr besonderen Bedingungen statt. Um den Mindestabstand einzuhalten, werden die Schüler in halbierten Klassen unterrichtet und erst um 7.45 Uhr in das Gebäude gelassen. Vor dem Gebäude und auf jedem Stockwerk werden sie von Lehrern begrüßt, die den gesamten Schultag auf die Einhaltung der Abstandsregeln achten. Auch in den Klassenzimmern werden die Schüler nicht allein gelassen. Die Stundenpläne wurden so angepasst, dass die Klassen versetzt mit dem Unterricht beginnen, und Pausenzeiten werden für jede Klasse einzeln festgelegt. Auch dies geschieht, um Schüleransammlungen auf dem Pausenhof und im Schulhaus zu vermeiden. Im Schulhaus weisen Pfeile den Weg, damit man sich nicht zu nah kommt. Dem schweren Atem nach zu urteilen, scheint für manche Schüler der größte Einschnitt jedoch die Abschaltung der Aufzüge zu sein. Fünf Stockwerke zu Fuß zu bewältigen, ist nicht jedermanns Sache. Neben diesen Hygienemaßnahmen gibt es eine weitere Besonderheit. Wegen der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe können nicht alle Lehrer in der Schule unterrichten. Sie unterrichten weiterhin mit Teams von zu Hause aus, während ihre Schüler im Klassenzimmer sitzen. Die in der Schule anwesenden Lehrer haben häufig vor bzw. nach ihren Aufsichten oder Präsenzunterrichten Fernlernunterricht und nehmen diesen in leeren Klassenzimmern wahr, weil ihnen die Zeit nicht ausreicht, um in ihre heimischen Arbeitszimmer zu gehen. Es kommt auch mal vor, dass sich Aufsichtszeiten und Online-Unterricht überschneiden und ein Lehrer mit Laptop und Headset auf dem Gang sitzt. Nur leider hält das Internet in der FLS diesen Anforderungen nicht immer stand. Besondere Zeiten, in denen viel ausprobiert werden muss, um die Situation bestmöglich zu gestalten.

Bezüglich der schriftlichen Abiturprüfungen durften die Schüler coronabedingt zwischen dem Prüfungsblock vor den Pfingstferien und dem Prüfungsblock nach den Pfingstferien, dem sogenannten Nachtermin, wählen. Wer krank war, schreibt die Prüfungen zum Nach-Nachtermin im Juli. Der erste Prüfungsblock fand gewohnt reibungslos statt. In der Woche vom 22.-26. Juni folgen die Abschlussprüfungen der Kaufmännischen Berufsschule, mit einer deutlich höheren Schülerzahl. Alle Prüfungen finden coronabedingt zu späteren Zeitpunkten, als ursprünglich geplant, statt.

Ab dem 15. Juni erhalten auch die Schüler der Eingangsstufe und der Jahrgangsstufe 1 des Wirtschaftsgymnasiums Präsenzunterricht. Dieser Unterricht findet ebenfalls unter Einhaltung der Hygienevorschriften und somit in halber Klassenstärke statt. Um die Vermischung von Schülergruppen zu vermeiden, werden jedoch nur Fächer unterrichtet, die nicht in Kursen erfolgen. Die übrigen Fächer werden weiterhin im Fernlernunterricht vermittelt. Nach der Berufsschulprüfung werden auch die Auszubildenden im Präsenzunterricht an der FLS beschult. Dann sind wieder alle Schüler nah dran am Schulgeschehen.

Die Lehrer und auch viele Schüler freuen sich über jedes Stück zurückgewonnener Normalität. Denn auch wenn sich die meisten gut mit dem digitalen Unterricht arrangiert haben, ersetzt er weder die für viele Schüler so wichtigen festen Strukturen des Alltags noch die analogen sozialen Kontakte. Schule ist so viel mehr als Wissensvermittlung. Trotz aller Bemühungen ist der Abstand für einige Schüler leider zu groß.

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